Zur Besetzung des Lobmeyrhofes

Am 7. Juli wurde der unter Denkmalschutz stehende Lobmeyrhof in der Roseggerstraße 1 als neues Autonomes Zentrum besetzt. Der Gebäudekomplex, der der Stadt Wien gehört, steht schon seit Jahren leer. Nur zwei Mitparteien, von denen eine bald ausziehen wird, und die andere sich noch weigert, haben hier nach wie vor ihren Wohnsitz. Die Stadt Wien erwarb den Hof vor 21 Jahren, kümmerte sich aber nicht um Erhaltung und Renovierung. Ursprünglich lebten 600 Menschen in dem Komplex, die mit den Jahren nach und nach zum Auszug gezwungen wurden.

Der Hof soll nun angeblich aufgestockt, generalsaniert, umgebaut und für wohlhabendere MieterInnen attraktiv gemacht werden. Dies steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass von den zuständigen Behörden Arbeiten durchgeführt wurden, die offensichtlich die Wohnungen teilweise zerstörten, Sanitäreinrichtung unbenutzbar machten, unter Wasser setzten, am 12. Juli Fenster und Türen verbarrikadierten und weitere Schäden anrichteten, um den Zugang zu blockieren. Mit Maßnahmen für ein Gebäude, das generalsaniert werden soll, hat dies wenig zu tun. Der Plan der Stadt Wien ist es offensichtlich, den Bau so lange verfallen zu lassen, bis er abgerissen werden muss. Schlussendlich ist dies nur eine weitere Gentrifizierungsmaßnahme der Stadt Wien, die nur dazu führt, dass sozial Benachteiligte, ImmigrantInnen etc. immer weniger Möglichkeiten für billiges Wohnen haben. Dies führt eine städtische Wohnbaugesellschaft, die durch Steuermittel finanziert wird, die sich aber in ihrem Gewinnstreben wie ein privates Unternehmen verhält, ad absurdum.

Einer Zwischennutzung bis wenigstens Beginn 2012 würde nichts im Wege stehen, da die Stadt Wien selbst noch keine Pläne hat. Die BesetzerInnen wollen die ursprünglichen Pläne für diesen Komplex, nämlich Bibliothek, Gemeinschaftsküchen usw. umsetzen und darüber hinaus Werkstätten, eine alternative Schule, ein Jugendzentrum, offene Werkstätten, Infoladen, einen Treffpunkt für die NachbarInnen verwirklichen und haben dies teilweise auch schon gemacht.

Betritt man den Lobmeyrhof, so tut sich vor den Augen ein mögliches Paradies auf. Der Komplex ist riesig und es wäre genügend Platz für alle, die sich engagieren wollen, ihre Ideen zu verwirklichen und zumindest hier einmal im Kleinen ihren Traum von einer selbst- und gemeinschaftlich verwalteten Gesellschaft umzusetzen.

Doch am 14. Juli in der Früh räumten die Polizei und deren Spezialeinheit WEGA teilweise sehr brutal den Hof, u.a. unter der zu Hilfenahme der Feuerwehr. Ein immenser Aufwand und Kosten, den die Stadt Wien nicht gescheut hat, um die ca. 40 Leute loszuwerden. Presse wurde keine erlaubt, nur ein Fotograf der Kronenzeitung wurde hineingelassen, was für sich spricht. Die BesetzerInnen wurden allesamt fotografiert, ihre Personalien aufgenommen und können nun mit einer Verwaltungsstrafe rechnen. Vor der Wahl versprach der Kulturstadtrat Wiens, die Zwischennutzung leerstehender Gebäude für Kunst- und Kultur zu ermöglichen und sagte, dass dies auch wünschenswert sei. Wie immer, davon merkt man jetzt nichts.

Für denselben Morgen wurden von Wiener Wohnen eigentlich Verhandlungen angekündigt, von der zuständigen Behörde fand es dann aber niemand der Mühe wert, vorbeizukommen und Wiener Wohnen hüllte sich in Schweigen. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bestritt im Anschluss die gewaltsame Räumung und traute sich tatsächlich zu sagen, dass die BesetzerInnen den Hof freiwillig verlassen hätten.

Kurz nach der Räumung wurde die grüne Parteizentrale in der Lindengasse besetzt, um die Partei von ihrem Kuschelkurs mit der SPÖ abzubringen und zu einer kämpferischen Politik im Sinne der BesetzerInnen zu zwingen, wobei sich natürlich jedeR bewusst ist, dass das wohl ein Ding der Unmöglichkeit sein wird.

Das Besondere an dieser Besetzung war, dass viele verschiedene (politische) Gruppen anwesend waren und ihr Interesse und ihre Solidarität bekundet haben. Auch wenn der Hof vorerst geräumt ist, soll das nur der Auftakt zur vermehrten Kritik am Wohnraumproblem gewesen sein, damit das Schaffen von Freiräumen wieder publik gemacht wird. Es muss auch Aufgabe aller sich politisch als links bezeichnenden Gruppen sein, dieses Thema aufzugreifen und mit vereinter Kraft und viel Druck die rot-grüne Stadtregierung zu wirklich sozialem Wohnbau und leistbaren Mieten zu zwingen.

Eine freie, gemeinschaftliche Gesellschaft ist möglich, wir müssen nur den Mut haben, alle Möglichkeiten dazu beim Schopf zu packen und sie uns selbst zu schaffen!

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