Veranstaltungshinweis: 100 Jahre „Hungerrevolte“ in Wien

Ende der Preistreiberei – heute wie damals!
Referat und Diskussion mit ao. Prof. i.R. Dr. Hans Hautmann (Universität Linz)
Eine Veranstaltung des Ottakringer Arbeiter-Bildungsvereins (OABV)

Freitag, 16. September 2011, 19:00
OABV-Lokal, Rankgasse 2/5, 1160 Wien (U3-Endstation Ottakring)

Die Misswirtschaft des adeligen Großgrundbesitzes in der damals österreichisch-ungarischen Monarchie führte in Kombination mit einer Trockenperiode und hohen Weltmarktpreisen in den Jahren 1909/10 zu massiven Preissteigerungen für Brot und andere Grundnahrungsmittel. So hatte sich der Mehlpreis (ähnlich wie heute) innerhalb kürzester Zeit fast verdoppelt; auch Fleisch war für die arbeitende Bevölkerung faktisch unerschwinglich geworden. Gleichzeitig wurden vom Hausbesitzerkartell die Mieten stetig angehoben – die Lebenserhaltungskosten hatten damit eine Höhe erreicht, die existenzbedrohende Züge annahm.

Am 17. September 1911 kam es mit Unterstützung der Sozialdemokratischen Partei auf dem Wiener Rathausplatz zu einer internationalistischen Demonstration gegen die Teuerungswelle, der sich 100.000 Menschen anschlossen. Auf der Gegenseite hatte die herrschende Klasse neben der Polizei noch militärische Verbände in der Stadt zusammengezogen und war um Eskalation bemüht. Als sich die friedliche Demonstration bereits aufzulösen begann, griffen Polizei und militärische Infanterie die Menge an und drängten sie in Richtung Neubau und Mariahilf ab. Im Arbeiterbezirk Ottakring gelang es den Demonstranten jedoch, sich erfolgreich zu verschanzen und die Nacht über den Widerstand aufrecht zu erhalten.

Am Ende dieser so genannten „Hungerrevolte“ standen 4 tote Arbeiter in Ottakring (darunter Franz Joachimsthaler, nach dem die Endstation des 46er benannt ist), mehr als 150 Verletzte und fast 500 Verhaftungen. 283 Arbeiter wurden in einem Schauprozess, der bereits zwei Tage nach der Erhebung begonnen hatte, zu schwerem Kerker verurteilt.

Dr. Hans Hautmann wird im Rahmen seines Referates für den OABV die Ereignisse des 17. September 1911 resümieren, in ihren historischen Kontext einbetten und nicht zuletzt auch die Rolle der Sozialdemokratischen Partei während dieser Tage kritisch reflektieren.

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