Unsere Rede auf der Opernballdemo 2017

Untenstehend dokumentieren wir unseren Redebeitrag auf der „Eat the rich! Opernballdemo 2017“

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Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen wiedereröffneten Opernballdemonstration!

Wenn ich gefragt werde, warum wir denn gegen einen Ball der Reichen und „Schönen“ protestieren, fallen mir mindestens so viele Gründe ein, wie es Tage im Jahr gibt. Für sie gibt es Kaviar, während es für uns seit Jahren Krise gibt. Täglich hört und liest man neue Meldungen, die bestätigen, in was für einer dekadenten und ungerechten Gesellschaft wir leben, weltweit. Das kapitalistische System und seine Vertreter und Vertreterinnen haben eine Welt geschaffen, in der die reichsten acht Menschen so viel besitzen wie die gesamten ärmsten 50% . Eine Welt, in der Großkonzerne einzelne Staaten klagen können, wenn diese ihren Markt nicht öffnen, sollten CETA oder andere Freihandelsabkommen durchgesetzt werden. Eine Welt, in der man nur dann reich wird, wenn man andere hart dafür schuften lässt. Auch Österreich ist keine Insel der Seligen. Im Gegenteil, Österreich ist ganz vorne dabei, wenn es um ungerechte Vermögensverteilung und -besteuerung geht. Doch vor lauter Sorge um die eigene Zukunft fehlt vielen Menschen die Energie und der Weitblick, dass ihre Probleme nicht ihr eigenes Versagen sind, sondern vielmehr Resultat eines kranken Systems.
Die Arbeitslosigkeit steigt kontinuierlich, die Schlangen vorm AMS werden immer länger – die Perspektive immer trister, besonders für die Jugend. Gleichzeitig dazu werden jährlich über zwei Millionen Überstunden geleistet, von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Arbeit gibt es also genug, nur müssen die einen zu viel arbeiten , während anderen die Arbeit fehlt.

Menschen über fünfzig werden willkürlich gekündigt, junge Leute zu beschissenen Verträgen neu angestellt. Will man sein Recht auf einen Betriebsrat umsetzen, besteht die Gefahr, den Job zu verlieren, wie es Müller und Servus TV eindrucksvoll zur Schau gestellt haben – und das bei Riesengewinnen. Überhaupt, Dietrich Mateschitz, der Eigentümer von Servus TV, besitzt mit seinen über 8 Milliarden Euro vermutlich eine Million mal so viel wie der durchschnittliche Österreicher oder die durchschnittliche Österreicherin.
Doch nicht nur ohne Arbeit ist man arm – auch die sogenannten „working poor“ werden immer mehr. Also Menschen, die trotz Vollzeitbeschäftigung unter der Armutsgrenze leben müssen. Das merkt man unter anderem daran, dass österreich- und europaweit der Andrang zu Sozialmärkten immer größer wird und die Öffnungszeiten dafür verlängert werden. Auf eine widerliche Art und Weise werden die Menschen in „ökonomische Verwertbarkeit“ gespalten. Nach Alter, Geschlecht, Ausbildung oder Herkunft. Weiblich dominierte Berufsbranchen wie der Einzelhandel haben einen Kollektivvertrag, dass es einem nur so graust und auf Wiens Großbaustellen kann man als nicht-österreichischer Bauarbeiter froh sein, wenn man bei einer Wochenarbeitszeit von 70 Stunden überhaupt versichert ist und mehr als 500 Euro im Monat bekommt.

Den wirtschaftlichen Zwang und die Einsparungen im Sozialbereich merkt man schon lange bevor man zum Arbeiten anfängt. Bereits als Kind und Jugendlicher wird man mit Hilfe einer unausgereiften Zentralmatura zu funktionierenden, möglichst unkritischen Maschinen herangezogen wie in einer Massenproduktion. Nun, wenig verwunderlich – bei dem knappen Budget das Schulen und Lehrern zur Verfügung steht, bleiben nicht viele Möglichkeiten zur Förderung oder für ausreichend Lehrmaterial. Solche Zustände will die „upper class“ natürlich nicht für ihre Kinder, darum werden sie in Privatschulen gesteckt. Eine Zwei-Klassen-Bildung nennt man das. Im Gesundheitssystem ist es nicht anders, so bekommt man mit einer Privatversicherung gleich nächste Woche einen Operationstermin, während man mit der staatlichen Versicherung gleich mal ein halbes Jahr warten und leiden muss.
Zu allem Überfluss präsentiert die Rot-Schwarze Regierung ihr neoliberales Einheitsprogramm, das als größter arbeits- und sozialrechtlicher Angriff auf die österreichische Bevölkerung gedeutet werden kann, wie es ihn das letzte Mal unter Schwarz-Blau gegeben hat. Unter dem Deckmantel der „Arbeitszeitflexibilisierung“ machen sie die Einführung eines Zwölf-Stunden-Arbeitstags startklar und das ist nur eine von vielen Schweinerein.

Die sozialen Missstände stinken bis zum Himmel, doch sie kommen nicht von irgendwo. Es ist die österreichische Elite, die ein solches System der Ungleichheit unterstützt. So funktioniert der Kapitalismus! Unsere Lohnarbeit vermehrt den Reichtum der Kapitalisten, wir werden ökonomisch ausgebeutet, damit sich jemand anderer eine goldene Nase verdienen kann. Ein selbstinszenierter Heiland aka Manager-Christian Kern oder Kapital-Versteher-Van der Bellen werden auch nach bitten und betteln nichts daran ändern wollen, weil sie selbst Teil der oberen Klasse sind und die Interessen der Banken, Konzerne und Millionäre vertreten.
Uns geht es nicht um Neid, sondern darum, dass der gesellschaftlich geschaffene Wohlstand für uns alle da sein muss, und das passt überhaupt nicht damit zusammen, dass sich beim Opernball die Reichen und „Schönen“  in 20.000 Euro teuren Logen abfeiern.

Wir wollen die soziale Frage wieder in den Mittelpunkt der linken Politik stellen und die Zustände in Österreich verändern. Unser langfristiges Ziel bleibt es, den Kapitalismus zu stürzen und ein anderes System, den Sozialismus, aufzubauen. Dazu schließen wir uns zusammen, lassen uns nicht spalten auf Grund der Herkunft, in jung oder alt, weiblich oder männlich, Lehrling oder Student. Das wird ein langer, kämpferischer Weg werden und heute machen wir den Anfang.
Der Wohlstand denen, die ihn erarbeiten! Eat the rich!

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